Von Dedi B.

Seit Jahren hab ich nach dem richtigen, für mich passenden Akustik-Amp gesucht.

Marshall AD50 & 100 verfälschten mir den Sound zu stark und wurden schon beim ersten Anspielen aussortiert.
Dann bin ich auf einen Laney LA 65 D gestoßen. Im ersten Moment und so zuhause beim Üben war der ganz OK, hat aber Live schnell dicht gemacht.
Zu wenig Leistung für das was ich so brauche. Die Speaker haben gescheppert und gerasselt bei allem was mehr war als 50% aufdrehen…

Unzufrieden wie ich war, habe ich mir dann einen Acus One For Strings 8 gekauft… der erste Amp, der mich wirklich überzeugen konnte.
Seine Tonwidergabe leider ein wenig HiFi-esk aber auch er: je hochwertiger die Gitarre, desto weniger kam von deren Sound am Amp tatsächlich an.

Ich bin seit Jahren ja (mittlerweile seit über 20!!!) Hughes & Kettner Fan. Die kleine, aber feine Amp-Schmiede aus St. Wendel hat es mir angetan.
Regional kaufen und lokale Firmen und Arbeitsplätze sichern, das ist eh mein Credo.
Aber der damals schon aus dem Programm genommene Montana (der wie der legendäre Edition One aussieht – quasi das Gleiche in grün), galt als Desaster unter den Akustik-Amps, weshalb H&K lange Zeit nicht nachlegte.

Auf dem Guitar-Summit in Mannheim hatte ich dann 2017 die Gelegenheit bei H&K am Stand den ultrakompakten, wirklich schicken Era1 zu testen.

Eine Entwicklung von Hughes & Kettner mit einem gewissen Herrn Eisenmann zusammen…
Hört, hört, war das nicht der Gründer von AER??? Da musste ich bei ERA schon ein wenig schmunzeln. Ein Schelm, wer Böses denkt.

Man drückte mir also auf der Summit eine Martin Dreadnought in die Hand und ich war vom Klang her absolut begeistert. Direkt, vom Fleck weg!
Leider war der Era1 für meine Bedürfnisse (Der Amp muss auch mal alleine eine Kneipe beschallen können), doch ein wenig zu klein. 250W, ein 8 Zoll Speaker und ein 1 Zoll Kalottenhochtöner in einem kleinen, kompakten, geschlossenen Gehäuse, mit 2 Kanälen und einem dritten Kanal für Audioeinspeisungen vom Handy o.ä.
Die Tonformung top, aber nach oben zu wenig Reserven und Druck. In kleinen Räumen, leisen Events durchaus eine Nummer und auch per DI in eine PA einzuspeisen.

Aber man kennt ja langsam den Einen oder Anderen bei H&K und mir wurde geflüstert, ich solle mal noch warten…

Als es im Dezember dann raus kam, dass es einen größeren Era, den Era2 geben wird, war ich komplett aus dem Häuschen.

Doppelte Power (400 Watt) und ein zweiter 8 Zoll Speaker sorgen für wesentlich mehr Schalldruck. ENDLICH!
Ein Paar Features des Amps finde ich als „Vielspieler“ extrem praktisch:
Man kann ihn mit einem in der original Schutzhülle befindlichen, massiven Metallbügel schräg stellen, die angesprochene, gepolsterte Hülle ist im Preis inklusive, hat zwei Zubehörtaschen und bietet darin Platz für das Powerkabel etc.
Ausserdem verfügt er an der Unterseite über einen Boxenflansch, mit dem man den Amp auch auf Ohrhöhe platzieren kann.

Unter http://hughes-and-kettner.com/de/products/era/era2/ gibt es tolle Bilder, die Bedienungsanleitung und mehr technische Informationen. Ich will Euch da gar nicht langweilen.

Also… wie klingt der Amp?
Man nehme eine tolle, im Sound wirklich spezielle Gitarre, man schalte den Amp ein und verwende Kanal 1 mit der passenden EQ-Voreinstellung (gedrücktes Knöpfchen optimiert den Pegel für Nylon besaitete Gitarren). Nun, ich neige dazu den weiteren fein dosierbaren 3-Band EQ des Amps nicht zu verwenden, aufgrund folgender Tatsache:
Meine Lakewood hat einen ganz speziellen Klang… einmalig, durch die Kombination aus Auditorium Korpusgröße, Fichtedecke und Ulme Zargen und Boden, sowie L.R.Baggs Anthem System. Drehe ich die Lautstärke am Amp komplett zurück und schlage die Saiten an, kann ich mit dem „hochdrehen“ des Volume Reglers die Lautstärke der Gitarre erhöhen. Was? Das liest sich komisch? Ja klar! geht ja garnicht.
Doch, geht! Und zwar nicht so, wie man es jetzt auffassen mag, sondern das was man tatsächlich hört, wenn man die Augen schließt.
Was ich damit sagen möchte, ist folgendes: Wenn ich die Lautstärke am Amp erhöhe, ertönt aus dessen Speakern exakt der natürliche Sound meiner Gitarre. Unverfälscht und Sauber!
WOW, das hätte ich niemals so erwartet!!!

Wenn man jetzt noch ein klein wenig Delay und Reverb der hervorragenden Effekt-Sektion hinzumischt (Reglerstellung 10), hat man einen fantaaaastischen Sound!

Kanal 2 nutze ich zusammen mit meinem Lewitt Audio MTP 340 CM. Kein Problem, dank eingebauter Phantomspeisung!
Meine Stimme kommt klar und druckvoll aus dem Era2, genau wie meine Gitarre. Dank einem zweiten, vollwertigen 3-Band EQ kann ich meine Stimme hier und da noch ein wenig anpassen und auch gesondert ein wenig Hall zugeben.

Gespielt habe ich den Era2 jetzt schon bei unzähligen Veranstaltungen. Solo bei Hochzeiten oder Kneipengigs, im Duo und Trio bei Bandkonzerten mit den Neighbours! und natürlich mit Double D & Friends. Bislang habe ich ihn noch nie weiter als 40% aufgedreht, war einfach nicht nötig.

Auf der Bühne steht er meist hinter mir, schräg gestellt, denn dort hat er die für mich beste Monitor-Funktion. Die Bässe kommen straffer als auf dem Stativ und der Schall geht nicht so in Richtung Publikum. Ich nehme den Era2 nicht mit Mikrofon ab, sondern speise ihn über die integrierte, klanglich über jeden Zweifel erhabene, D.I. in unsere PA ein (Meist eine HK Audio Elements Smart- oder Big Base)

Channel 3 & 4 (FX-Return oder Drumcomputer, o.Ä.) habe ich noch nicht benutzt.

Der UVP mit 1799€ ist natürlich heftig, aber der Street-Preis beläuft sich meist auf irgendwas um 1399€, die der Era2 ob seiner klanglichen Fähigkeiten und seiner umfangreichen Ausstattung absolut wert ist.

Also, ran an den Speck und Antesten!
Hören könnt Ihr Ihn bei Konzerten von Dedi B. (www.dedi-b.de), Double D (& Friends) (www.double-d-rockt.de) und bei Unplugged-Konzerten von K-y-N! (www.k-y-n.de) und dem Quartett.